25 Als Jürgen Eibl Mitte der zweiten Halbzeit zum Elfmeter anläuft, ist für die Seelbacher Fans klar, das ist das 4:1, das Spiel ist entschieden, der Aufstieg geschafft. Doch der Ball prallt von der Latte zurück ins Spielfeld. Der FV Auenheim kann noch auf 2:3 verkürzen. Zu mehr reicht es nicht mehr. Der FSV Seelbach hat es geschafft. Er ist Meister der A-Klasse und steigt in die Zweite Amateurliga auf. Genau 50 Jahre ist das her. Am 7. Mai 1960 schafften die Seelbacher Fußballer die dritte Meisterschaft in Folge, den Durchmarsch von der C-Klasse (heute Kreisliga B) in die Zweite Amateurliga (heute Landesliga). Es war der dritte Matchball, den die Seelbacher verwandelt haben. Am letzten Spieltag haben sie im legendären „Bienle“ in Ettenheim, dort wo heute das August-Ruf-Bildungszentrum steht, nur 1:1 gespielt. Der FV Auenheim, der sein letztes Saisonspiel gewann, war punktgleich. Da damals im Amateurbereich die Tordifferenz außen vor blieb, bedeutete das, dass der FV Auenheim und der FSV Seelbach in einem Entscheidungsspiel den Meister und Aufsteiger ermitteln mussten. Aus dem einen Spiel wurden zwei. Denn das erste Spiel in Offenburg am 30. April endete nach Verlängerung 1:1, ehe der FSV Seelbach eine Woche später wiederum in Offenburg durch ein Tor von Manfred Mark und zwei von Julius Haag den Aufstieg perfekt machte und der Bezirksvorsitzende Oskar Fleig im dritten Anlauf endlich den Meisterwimpel los wurde. 2500 Zuschauer im ersten Entscheidungsspiel und 3000 im zweiten machten die Spiele zu Fußballfesten. „Ich wollte den Ball so richtig reindreschen und dann war nichts“, erzählt Jürgen Eibl heute von seinem Missgeschick. Zusammen mit Herbert Kloos, Walter Högle und dem später zur Runde dazu gestoßenen Josef Eble erinnert er sich an die glorreichen Jahre des Seelbacher Fußballs. „Wo wir auch hingekommen sind, überall haben sie vor uns Angst gehabt“, erzählen die vier auch heute noch mit einem gewissen Stolz. Auch höherklassige Mannschaften haben die Seelbacher Kicker – pardon: Fußballer – im Pokal das Fürchten gelehrt. „Früher haben wir 90 Minuten Fußball gespielt, heute spielen sie zehn Minuten Fußball und 80 Minuten wird gekickt“, wagt Herbert Kloos einen Vergleich – und hat die ungeteilte Zustimmung der anderen. Sie müssens ja wissen, denn heute sind sie regelmäßig als Zuschauer auf dem Seelbacher Sportplatz zu sehen. Und: Je weiter der Abstand, desto mehr verklärt sich die Vergangenheit. „Der Trainer hat gesagt, wie wir spielen sollen, und wir haben gespielt, wie wir wollten“, sagt Herbert Kloos. Doch Spaß beiseite, es war schon ein kleines Fußballmärchen, das sich damals im Schuttertal ereignet hat und dass die Fußballkreise in ganz Südbaden voller Hochachtung vom FSV Seelbach sprechen ließ. Wie es dazu kam? Es hat eben alles zusammengepasst, ist sich das Quartett einig. „Mit Josef Eble, Siegfried Hartmann, Manfred Mark, Gerhard Geiger und mir, sind wir fünf Jugendspieler des Jahrgangs 1937 gewesen, die 1955 in die erste Mannschaft gekommen sind“, erzählt Walter Högle. Dazu kam ein Spieler des Jahrgangs 1937 vom Lahrer FV, nämlich Herbert Kloos. Und der überzeugte seine Kollegen Jürgen Eibl und Erich Schreier, ebenfalls Jahrgang 1937, in Seelbach auch Fußball zu spielen. Nach Seelbach ist das Lahrer Trio damals nicht wegen des Geldes gekommen. Sie haben entdeckt, dass es in Seelbach schöne Mädchen gibt und haben auch Seelbacherinnen geheiratet. Mit diesem Stamm junger Spieler ließ sich eine Mannschaft aufbauen. Doch eines war ebenso wichtig: „Wir haben eine Bombenkameradschaft“, sagen sie unisono. Und wenn man zuhört, wie sie herumflachsen, Erinnerungen von vor mehr als 50 Jahren hervorkramen und auch heute noch trefflich darüber streiten können, ob nun die Lahrer den Seelbachern oder die Seelbacher den Lahrern das Fußballspielen beigebracht haben, dann weiß der Beobachter, das ist nicht übertrieben. Heute noch erzählen sie ohne rot zu werden, dass Trainer Hans Schlegel und Betreuer Artur Munz mit ihnen ein leichtes Amt gehabt haben. „Der Trainer hat gesagt, wie wir spielen sollen, und wir haben gespielt, wie wir wollten“, sagt Herbert Kloos lachend. Ein Körnchen Wahrheit steckt drin. Sie alle waren hervorragende Fußballer. Doch sie lassen keinen Zweifel, dass die Erfolge nur möglich waren, weil nicht nur Trainer, Betreuer und Spieler, sondern auch der Vorstand mit dem Vorsitzenden Franz Herdrich wie eine Familie waren. Und noch eins hat dazu beigetragen. „Wir haben damals nichts gehabt außer dem Fußball“. „Wir haben keine Autos gehabt und auch nicht so viele Möglichkeiten, wie sie heute geboten sind“, stellen sie fest. Auch die Menschen hatten wenig Möglichkeiten, außer am Sonntag auf den Sportplatz zu gehen. 1000 bis 1200 Zuschauer waren die Regel, wenn es gegen den LFV ging bis zu 2500. „Wir haben damals nichts gehabt außer dem Fußball.“ Walter Högle, Josef Eble, Jürgen Eibl, Herbert Kloos. Gerne erinnern sie sich noch an das Spiel nach dem Aufstieg in die zweite Amateurliga gegen den LFV. Mit einer 6:2-Klatsche wurde der Gegner in die (damals noch nicht) Große Kreisstadt zurückgeschickt. Und Walter Högles Augen glänzen, als er erzählt, wie er bei einem 4:0Sieg drei Tore gegen Horst Wieber, den Torhüterdes LFV, geschossen hat – als Verteidiger, der bis dahin als Torhüterschreck völlig unbekannt war. Einig sind sie sich aber, dass das Ergebnis, als sich der LFV auf der Klostermatte mit einer Riesenklatsche für den FSV Seelbach revanchierte, unerwähnt bleiben soll. Und daran wollen wir uns auch halten. Vielleicht wird es heute Abend genannt, wenn sich die Spieler von damals zum Jubiläum auf ein Bier treffen. Nicht dabei sind Christian Himmelsbach, der seit Jahrzehnten in den USA lebt, sowie Siegfried Hartmann und Erich Schreier, die beide gestorben sind. Ihre Namen werden aber mehr als einmal fallen. Ein Seelbacher Fußballmärchen. Vor 50 Jahren hat der FSV Seelbach seinen größten sportlichen Erfolg errungen: Er ist in die Zweite Amateurliga aufgestiegen. Vier Fußballer aus der damaligen Mannschaft erinnern sich. Theodor Weber, Fr, 7. Mai 2010, 8:41 Uhr Seelbach VOR 50, INZWISCHEN SCHON 65 JAHREN in die Zweite Amateurliga aufgestiegen! Bezirkspokalsieger 1958: Der FSV Seelbach (C-Klasse) gewinnt 3:0 gegen Zell a. H. (A-Klasse) Hinten: v. l. Eble- Rösch-Hartmann-Martin-Mark Mitte: Vögele-Eibl-Kloos / vorne: Högle-Baumann-Geiger
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