45 Der Spagat zwischen Kumpel und Coach gelingt, wenn das Vertrauen stimmt – „damit keiner dem Training fernbleibt, weil er keinen Bock auf den Trainer hat.“ Im sportlichen Sinne halten die beiden Trainer die Disziplin im Vordergrund. Auf die Frage, was für graue Haare sorgt, muss der Trainer lachen: „Die Jungs, die nicht ganz nüchtern erscheinen – das bringt einen schon zur Weißglut.“ Zwischen verschossenen Elfmetern und vergessenen Taschen gibt es viele Gründe, warum die Trainer ihre Nerven trainieren müssen. Interviewer: „Wie oft habt ihr euch vorgenommen, ruhig zu bleiben und wie oft hat der Schiedsrichter das vereitelt?“ Linus Resch: „Grundsätzlich nehmen wir uns beide vor, immer ruhig zu bleiben, aber nach der 10. Fehlentscheidung in der 5. Minute wurde es dann doch schon etwas aggressiver draußen.“ Interviewer: „Da ist dann auch schon mal die ein oder andere gelbe Karte gezogen worden oder?“ Linus Resch: „Für Paul leider schon 3, ja !“ Frägt man den Trainer Linus Resch, wie er die Saison in einem Emoji beschreiben würde, so wählt er die Schere, ein gängiges Zeichen der Jugendlichen. Der Trainer denkt besonders gern an den Mannschaftsabend beim Bowlen zurück. „Da hat man sie mal von einer ganz anderen Seite gesehen – ganz normale, nette Jungs und mal nicht nach ihrer sportlichen Leistung bewertet.“ Die Motivation, Jugendtrainer zu sein, kommt von innen. Als aktiver Spieler weiß der Interviewte Linus Resch, wie wertvoll eine nahbare Bezugsperson ist. Er möchte nicht nur Fußball vermitteln, sondern auch fürs Leben etwas mitgeben: „Nicht immer nur drücken – einfach mal drüber hinwegsehen. … dadurch dass ich selber noch Spieler bin, komme ich auch näher an sie ran als ein älterer Trainer.“ Bei der heutigen Generation ist es schwierig, über Disziplin zu kommen und über Konkurrenzkampf, weshalb die Beiden das Training sehr spaßig halten, sodass die anstrengenden Teile nicht mehr so anstrengend wirken, weil sonst die Spieler sehr schnell sagen hab keinen Bock mehr, mir zieht‘s ich bleib daheim oder sonst was.“ - Lieblingssatz an der Seitenlinie: „Schiri, Abseits!“ - Lautester in der Kabine: „Theo!“ - erster Gedanke nach einem Sieg: Bier, Analyse oder einfach nur Ruhe: „Gibt’s nicht so oft, deswegen Bier.“ Trotz aller Herausforderungen, Eigenheiten und Späße: „Ich würd’s wieder machen. Das macht einfach Spaß – auch wenn’s alle Psychos sind.“ Die Trainerperspektive zum Fußball hat den beiden nochmal gezeigt, dass man nicht nur das, was auf dem Platz passiert, sehen kann. „Als Trainer muss man sich halt schon den ganzen Tag Gedanken machen, was mach ich jetzt heut im Training und wie krieg ich manche Spieler in dem Bereich besser, ohne dass im Training viel gestanden wird (…) und gerade aus Sicht eines Spielers müsste man das eigentlich viel mehr wertschätzen.“ Das Interview zeigt: Wer mit Herzblut, Humor und Haltung an die Jugendarbeit geht, erntet mehr als Punkte – er prägt Persönlichkeiten und entwickelt sich selbst weiter. Interviewer: Marie Ohnemus Interviewter: Linus Resch Schlusstabelle A-Jgd. 24/25 „DIE MIT ZWEI PROMILLE AM SPIELTAG ERSCHEINEN…“ DREI SCHNELLE FRAGEN ZUM SCHLUSS FAZIT: „ICH WÜRD’S WIEDER TUN – MIT DENSELBEN PSYCHOS“ „GANZ KLAR DIE SCHERE“ – GEFÜHLSSAISON IM EMOJI „ICH VERSUCHE, SIE DAHIN ZU BRINGEN, WO ICH SELBER MAL WAR“ "
RkJQdWJsaXNoZXIy NTk5OTM2